MOOC-Studie: Video-Lektionen kurz, aktiv und persönlich gestalten

Interessante Ergebnisse einer aktuellen Studie mit Daten der edX MOOC-Plattform zum Thema Video-Vorlesungen und Micro-Lectures.
Die Autorin Debbie Morrison, selbst M.A. in Education and Human Development, listet  die erforschten Schlüsselfaktoren für die erfolgreiche Einbindung von Video-Segmenten in MOOCs auf. Sie gibt auch daraus abgeleitete praktische Tipps für Dozenten, eLearning-Spezialisten und Kursleiter für die Herstellung zukünftiger Videos, die dann hoffentlich die Massen (dafür steht das M in Moocs – Massive Open Online Courses) begeistern und zum Weiterlernen motivieren.
Zwei wichtige Ergebnisse der Studie vorab:

> Je kürzer die Videos, desto besser: Nach 6 Minuten sinkt die Aufmerksamkeit rapide
> Up close & personal: Den Studierenden gefallen die sogenannten „Talking Heads“ besser als abgefilmte Vorlesungen aus dem Hörsaal – obwohl die Dozenten das „Klassenzimmer-Feeling“ bevorzugen, haben die persönliche Ansprache aus nächster Nähe mehr Effekt und fördern den Lernprozess sowie das Engagement nachhaltig.

Hier der exzellente Artikel über die Studie:
>> MOOC Design Tips: Maximizing the Value of Video Lectures | online learning insights
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Europäische MOOCs wachsen weiter – Forschungsergebnisse von Open Education Europa

Wenn deutsche Medien gerne technologiegetriebene Trends als Hype abstempeln und dann das Interesse verlieren, verpassen sie manchmal das Beste: die wachsende Verbreitung von Massive Open Online Courses, kurz MOOCs. International passiert eine ganze Menge:

  • Der ‚Hype‘ reformiert in den USA gerade das gesamte Bildungssystem und sorgt immer noch regelmäßig für Teilnehmerzahlen von Zigtausenden (HarvardX: 70.000 in einem einzigen Kurs – ich bin eine davon). Selbst bei Abschlussquoten von durchschnittlich 15% machen bei so einem Kurs mehr Studenten eine Prüfung als ein Professor in seinem ganzen Leben am traditionellen Campus abnehmen kann (Und besser sind die Absolventen übrigens auch.)
  • Die weltweite Higher Education Szene diskutiert Globalisierungsstrategien für Universität und Forschung für die Knowledge-Economy – in einem multinational gut durchmischten Onlinekurs auf Coursera
  • Das europäische Angebot von offenen Onlinekursen wird immer größer und es kommen (auch weltweit) immer mehr Sprachen neben englisch hinzu: Die Europäische Kommission hat bereits 2013 eine gesamteuropäische MOOC-Initiative namens OpenupEd gestartet und fördert aktuell im Rahmen des Startup Europe Programms das „MOOCs for Web Talent Network“
european Moocs

MOOCs in Europa

Verteilung kostenlos und frei zugänglicher MOOCs in Europa nach Ländern. Spanien bleibt Vorreiter. Quelle: Open Education

Gute und schlechte MOOCs
Ich selbst evaluiere für einen Kunden seit Anfang des Jahres die bekanntesten MOOC-Anbieter weltweit und kann schon eins sagen: die Qualität und Professionalität wird von den USA vorgegeben, doch z.B. die deutsche Plattform iversity muss sich nicht hinter MOOC-Pionieren Udacity, edX oder Coursera verstecken. Obwohl das Kursangebot des jungen Berliner Unternehmens (die sitzen bei mir um die Ecke in Bernau) noch übersichtlich ist, bietet die kostenlose Lernplattform eine Menge intuitiver Features und bei einigen englischsprachigen Kursen auch anregende Diskussionen und hohe Beteiligung der Dozenten trotz hoher Teilnehmerzahlen: In einem Kurs sind es aktuell mehr als 15.000 (bei „Gamification“ vom mitreißend sympathischen spanischen Prof. Victor Manrique). Auch das Hasso-Plattner-Institut, Potsdam, bietet bereits seit 2012 englischsprachige MOOCs zu IT-Themen an und hat mit openHPi eine eigene Plattform dafür entwickelt.

Warum sich Hochschulen und Unternehmen weltweit mit dem Thema beschäftigen?
Die Verlagerung des Lernens auf hochgradig vernetzte Online-Plattformen, die motivierendes und kollaboratives Arbeiten unterstützen bietet ganz neue Möglichkeiten:

  • flexiblere berufsbegleitende Bildung und Weiterbildung
  • internationale Profilierung einer Hochschule, indem sie Angebote und Dozenten erlebbar und international verfügbar macht
  • Generation Y: die nach 1981 geborenen verlangen andere Arbeitsbedingungen und Weiterbildungsmöglichkeiten (Selbstbestimmtheit, Sharing, Collaboration, Mobilität) sowie Internationalisierung

Sobald ich mit meiner Recherche fertig bin stelle ich hier einen Vergleich zwischen den internationalen MOOC-Anbietern aus Sicht der Studenten und der Kursleiter/Kurserstellung vor. Dazu gehören die oben genannten sowie Uninettuno, Coursesites, Udemy, Futurelearn und MCB80x.org – ein innovatives HarvardX Project.

Interessant ist die Verteilung der in aller Welt verstreuten Teilnehmer: Tatsächlich kommen in fast allen MOOCs, die ich bisher untersucht habe, die Lernenden relativ ähnlich verteilt aus den verschiedenen Regionen der Erde. Von Alaska bis Zaire war bisher alles dabei, mit jeweils überdurchschnittlich hohen Konzentrationen an der amerikanischen Ost- und Westküste, Australien, Benelux und Rwanda (!).

Hier die Verteilung der Teilnehmer des gut besuchten HarvardX-Kurses zum Thema Veränderungsprozesse (70.000 Teilnehmer, 4.840 haben sich hier eingetragen):

participants map

HarvardX map

Und hier die Stecknadeln der Teilnehmer des (englischsprachigen) „Gamification“-Kurses mit spanischem Kursleiter auf deutscher MOOC-Plattform:

participants map iversity gdmooc

iversity Map – Gamification

Weiterführende Informationen:

„Carpe Diem“ MOOC für Pädagogen lehrt kollaboratives Kursdesign für eLearning

MOOC ist nicht gleich MOOC (Massive Open Online Course): Professor Gilly Salmon von der Swinburne University of Technology Melbourne, Australien, startet am 10. März 2014 einen massiven Onlinekurs der „konnektivistischen“ Art (cMOOC): „Carpe Diem – Learning Design“ für Trainer, Lehrer und eLearning Experten soll mehr bieten als Online-Videokonserven von Vorlesungen.

carpe diem MOOC participants on world map

Shon mehr als 900 1200 Teilnehmer aus der ganzen Welt haben sich für diesen kostenlosen Onlinekurs der Swinburne Univerity in Melbourne angemeldet. Jeder kann sich die Farbe seiner Stecknadel aussuchen und die Menge an Kontaktinformationen bis hin zu vollkommener Anonymität festlegen. Aus Deutschland hat bisher nur einer außer mir sein Fähnchen gesteckt.

Der weltweit zugängliche, kostenlose Onlinekurs nutzt die Plattform Coursesites um den Teilnehmern ein erprobtes Grundgerüst für das Konzept von aktivierenden Blended Learning Maßnahmen und Online-Kursen an die Hand zu geben. Dabei wird auf kollaboratives Lernen und Interaktion in Form von „e-tivities“ in Gruppen mit max. 28 Kommilitonen Wert gelegt. Eine informelle private Facebook-Gruppe begleitet das Ganze schon im Vorfeld. Gamification-Elemente wie Badges – das sind diese lustigen Abzeichen, die man früher als Pfadfinder bekommen hat – lassen die Lehrtätigen am eigenen Leib spüren, wie modernes Online-Lernen idealerweise funktioniert. Der gesamte Kurs hat eine Dauer von 6 Wochen, wobei man 3-4 Stunden pro Woche einplanen sollte. Die Methode „Carpe Diem Learning Design“ kommt seit mehr als zehn Jahren an Lehrinstitutionen weltweit zum Einsatz. Das 5-Stage-Model von Prof. Gilly Salmon findet man in den Standardwerken im Bereich eLearning. Bis heute haben sich bereits über 900 1200 Menschen aus allen Teilen der Erde registriert (siehe Weltkarte). Ich übrigens auch 🙂

Hier kostenlos einschreiben: Carpe Diem MOOC | Swinburne University.